Kleine Experimente

19. Januar 2012

Entgegen meines Temperaments versuchte ich mich zu zügeln und vorschnelle Handlungen zu unterlassen. Denn schon am nächsten Morgen begann wieder der normale Alltag und vorbei war es mit dem Kurzurlaub.

Statt vorschnell etwas Dummes zu machen und dabei vielleicht meine Arbeit zu verlieren, plante ich die große Expedition für den Sommerurlaub. In der Zwischenzeit überbrückte ich meinen Forscherdrang mit kleinen Experimenten auf der anderen Seite. So ermittelte ich zum Beispiel, dass ein kompletter Tag dort weniger Zeit in Anspruch nahm, als auf der Erde. Entsprechend mußte sich die andere Seite wesentlich schneller drehen als die Erde und brauchte für eine komplette Rotation nur ca. 22 Stunden. Auch gab es scheinbar dort drüben keinen magnetischen Pol, denn mein Kompass reagierte absolut nicht, egal in welche Richtung ich mich drehte. Aufgrund der wachsenden Erdbeeren, die in meinem eigenen Garten noch nicht einmal Blüten zeigten, waren wohl auch die Jahreszeiten völlig anders.

Für eine große Expedition würde ich mir eine Tabelle machen müssen in der Art eines Gezeitenkalenders, um immer zu wissen, wieviel Uhr und welche Tageszeit es auf der anderen Seite gerade war. Aber nicht nur die aktuelle Zeit war wichtig, sondern ich mußte auch wissen, um welche Jahreszeit es sich auf der anderen Seite handelte, um die richtigen Kleidungsstücke einzupacken. Jeden Abend verglich ich die jeweiligen Temperaturen und kam zu dem Schluß, dass die andere Seite auf den Winter zustrebte, während wir hier Richtung Sommer unterwegs waren. Nicht gerade optimal, denn dann mußte ich im Hochsommer bei uns, dicke Wintersachen für die andere Seite einpacken. Aus diesem Umstand heraus baute ich auf der anderen Seite, nahe eines Waldrands, eine Art von strategischem Hauptlager. Das ich mit Winterklamotten, die auf der Erde in den Geschäften jetzt billig zu erstehen waren, in ausreichendem Maß füllte. Selbst alle Arten von Survivalausrüstungen kamen dort hinein, um die Winterwochen dort gut verbringen zu können. Ich hamsterte alles ein, was nur gut und billig war. Mengen an Konserven, wie auch Trinkbares wanderte in diese Hütte, die ich jedesmal verbarrikadierte, doch bisher hatte sich niemand an meinen Schlössern zu schaffen gemacht.

Meine Ausflüge in die andere Welt blieben jedoch nicht ohne Folgen, denn im Freundeskreis vermisste man meine Person und meine Erklärungen für meine Abwesenheit wurden immer dürftiger. Über kurz oder lang, mußte ich mir schon etwas Besseres einfallen lassen, warum ich mein Heim kaum noch verließ. Entsprechend verlagerte ich meine kleinen Excursionen auf die Wochentage und nutzte die Wochenenden, um mit den Freunden zusammen zu sein, um weiteren neugierigen Fragen aus dem Wege zu gehen.

Aber auch so erhielt ich eine große Menge an Daten, die ersteinmal verarbeitet werden mußten. Flora und Fauna beider Welten waren nahezu identisch, mit kleinen Abweichungen. Meine Hoffnung, wertvolles Gestein im Boden zu finden erwies sich jedoch als Luftblase, als reine Träumerei und entsprechend mußte ich leider doch weiterarbeiten, um meine Brötchen zu verdienen. Entsprechend setzte ich mehr Hoffnung auf meine große Expedition im Sommer, bei der ich die Landschaft auf einer größeren Fläche untersuchen konnte.

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