Kapitel 1 – Tanja

Traum oder Wirklichkeit?

1. Januar 2012

Das muß ein Traum sein. Etwas anderes konnte sich Tanja einfach nicht vorstellen. Doch für einen Traum waren die Empfindungen verdammt real, nach ihrer Schätzung mußte es jetzt früher Nachmittag sein und die Sonne verschwand aus ihrem Sichtfeld. Entsprechend wurde es langsam kühl und in ihrem Kleidchen, das sie sich am Morgen übergestreift hatte, wurde es jetzt richtig unangenehm. So kühl, das man den Armen entlang die Gänsehaut sehen konnte.

Ob nun Traum oder Wirklichkeit, egal, langsam wurde es Zeit einen Ausweg aus dieser unwirklichen Situation zu suchen. Da sich mittlerweile ein kleines Hungergefühl eingestellt hatte … etwas, das sie vorher noch in keinem Traum erlebt hatte … bückte sie sich nach den Erdbeeren, probierte vorsichtshalber erst einmal zwei, drei, stopfte sich diese in den Mund und war von dem Wohlgeschmack überrascht. Doch diese wenigen Beeren fochten das Hungergefühl in ihrem Magen noch mehr an und entsprechend gab es jetzt kein halten oder überlegen mehr. Sie stopfte in sich hinein, als hätte sie schon tagelang nichts mehr zu Essen gehabt. Der Magen füllte sich und beruhigte auch ihre flatternden Nerven. Nach der kleinen Freßeinlage war es ihr auch wieder möglich ihre Situation besser einzuschätzen. Traum hin oder her, sie mußte hier weg und schnell einen Weg in die Zivilisation finden, da sie in einem dünnen Kleidchen die Nacht wohl nicht schadlos überstehen würde.
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Viele Fragen, keine Antwort

1. Januar 2012

Im Gegensatz zu Tim »Steini« Blumenthal war Tanja Solter noch nie allein irgendwo in der Wildnis gewesen. Allein in einer Menschenmenge, ok, oder allein beim Shoppen, ok, doch allein allein? Nein das kannte Sie absolut nicht und deshalb war Ihre Situation auch so völlig irrational, so ganz unmöglich für Sie.

Was machte man allein in der Wildnis und wie kam man da wieder raus?

Noch leicht benommen flüsterte Sie: »Hallo, hallo ist hier jemand?«

Als niemand antwortete rief Sie diesmal mit kräftiger Stimme: »Hallo, HALLO?«

Auch diesmal antwortete niemand, stattdessen knackte irgendwo in der näheren Umgebung ein Ast und Sie erschreckte dermassen, dass jegliche Farbe aus Ihrem Gesicht wich. Mit leicht zitternden Knien stand Sie auf und drehte sich einmal im Kreis, doch in Ihrem ganzen Blickfeld gab es keine Hinweise auf Zivilisation oder andere Menschen in Ihrer Umgebung.

War das hier wirklich?

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Zur gleichen Zeit …

1. Januar 2012

Nicht weit von Mittwald entfernt veranstaltete die Kirchengemeinde einer kleinen Ortschaft einen Flohmarkt für Jedermann auf dem örtlichen Marktplatz. Reges Treiben schon in den Morgenstunden und um die Mittagszeit war der Platz bunt gefüllt mit Einheimischen und mit einer großen Anzahl von Feriengästen.

Mittendrin versuchte Tanja Solter die MP3 Dateien auf Ihrem Smartphone zu sortieren und eine Musikauswahl zu erstellen, die Sie fleißig über Ihre neuen In-Ear Kopfhörer genoß. Nicht wirklich an den angebotenen Waren interessiert schlängerte Sie von Stand zu Stand, fasste hier einen Hut an, setzte ihn auf und betrachtete sich in einem Schaufenster, lachte, legte ihn zurück und ging weiter an den nächsten Stand.

Sie ließ Ihre Hände wandern über weiche, grobe, spitze, rauhe Gegenstände einfach so und immer sah es aus, als wenn Sie etwas suchte. Doch es war mehr ein Reflex, denn einer wahren Kaufabsicht. Überall berührten Ihre Finger unbekannte Dinge, griffen in Kisten und Kartons hinein um zu fühlen was sich in Ihnen befand. Entsprechend interessierte es Sie auch nicht, was aussen auf den Behältnissen stand in dicken roten Lettern »VORSICHT!«

In bewußtem Glas befand sich nur etwas, das sich anfühlte wie ein Stein, grob porös, aber doch samtig weich, fast lederartig und im nächsten Augenblick versanken Ihre Pfennigabsätze im Boden. Fast wie in Zeitlupe wurde Sie von ihrem eigenen Schwung nach vorne gerissen, aus ihren Schuhen heraus und landete flach mit dem Gesicht voran im Morast eines unsagbar großen Erdbeerfeldes. Ihr Smartphone verwandelte sich in ein Wurfgeschoss und landete viele Meter entfernt in einer Pfütze, wo es für kurze Zeit noch auf der Oberfläche schwamm und dann langsam zum Boden sank. Auch der Stein hatte sich aus Ihrer linken Hand selbstständig gemacht und landete in einer Erdbeeplanze, die jetzt zwischen den roten Beeren auch noch eine scheinbar schwarze Frucht beherbergte.

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